Aktuelles bei Maler Rottler

Fassade und Mauer ? Farbe und Bild auf Baustoffen


Immer können Mauern Geschichten aus längst vergessenen Tagen erzählen. Was Jahresringe für die Natur, das sind die Mauern für unsere Gesellschaft. Da wird gestrichen, getüncht, verputzt und isoliert ? eine neue Fassade für einen Neuanfang? Wohl kaum ? denn Erfahrungen sind nicht so einfach aus dem Mauerwerk zu ziehen.

Zwar versucht die Politik bis heute, unserer Zeit eine neue Farbe zu geben, eine neue Fassade. Doch ist Streichen und Malern noch immer ein Handwerk, das nur ein Maler richtig beherrscht ? mit Liebe zum Material und Respekt vor den Mauern mit ihren Geschichten.  

Mauern ziehen übrigens nicht nur Künstler und Malermeister an. Die gesamte Graffitti-Bewegung gäbe es ohne Mauern nicht. Für solche Aktive bieten Städte häufig ?free walls? an ? Mauern, frei zum Besprühen. Mauern locken aber auch die Schmierfinken, die statt Kunst nur Buchstaben und Parolen hinterlassen. Der politische Wert: nahezu null; ganz im Gegensatz zu Wandzeitungen, wie sie in Peking jahrelang die einzige Chance auf freie Meinungsäußerung waren.

Das Bild auf der Mauer des Hauses Ostendorfstraße 1 hat einen politischen Wert. Es soll erinnern an zehn Themen der Menschheit, die aktuell oder schon immer wichtig waren.

  1. Umweltverschmutzung (und Klimaschutz) - intakte Natur dagegen zeigt dieser Film
  2. Krieg
  3. Kinderarmut ? auch in Deutschland
  4. Sozialstaat ? sind wir (noch) einer?
  5. Finanzkrise ? und wie sie bewältigt wird
  6. Schulden ? siehe Finanzkrise; ein Berg für unsere Nachfahren
  7. Gewalt ? die Bereitschaft dazu nimmt zu, die Verbrechen werden immer unerklärlicher
  8. Bildung ? für Handwerker ein Riesenthema
  9. Politik ? hilft sie, die oben genannten Herausforderungen zu meistern? Eine positive Antwort hier, eine negative Antwort hier
  10. Mauern. Mauern hat der Mensch schon immer gern gebaut. Als da wären:

Zentrale Motive der langen Mauern zwischen Staaten oder innerhalb eines Landes: Angst vor anderen, Schutz vor Eindringlingen, Abwehr von Flüchtlingen. Und es gibt noch mehr solche Mauern:

  • Saudi-Arabien beispielsweise hat sein internationales Grenzabkommen mit Jemen aufgekündigt, um entlang der gemeinsamen Grenze eine massive Mauer aus Beton zu errichten, die angeblich Terroristen, illegale Einwanderer und Qat-Schmuggler abschrecken soll. Außerdem planen die Saudis eine 900 Kilometer lange Mauer zum Irak.
  • Indien  zog einen drei Meter hohen Erdwall durch Kaschmir ? Teil eines zur Hälfte umgesetzten Plans, die gesamte 1.800 Kilometer lange Grenze zu Pakistan zu befestigen. Zwischen Indien und Bangladesch verläuft bereits ein Zaun.
  • Das kleine Königreich Bhutan riegelt sich in Richtung Indien mit einer Mauer ab, um das Einsickern von Kämpfern der National Democratic Front of Boroland zu verhindern.
  • Botswana baut einen Elektrozaun entlang der Grenze zu Simbabwe, der viele Afrikaner an die Hochspannungs-Todeszäune des südafrikanischen Apartheidregimes erinnert.
  • In Mittelamerika vermauerte sich Costa Rica gegen Nicaragua nach dem Vorbild der ?frontera? zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko.  

 
Aber es gibt nicht nur Mauern, die Familien und Völker trennen. Oft ist es die Mauer in unseren Köpfen, die uns starr und geistig unbeweglich macht.

Auf all das will das Bild auf der Mauer des Hauses Ostendorfstraße 1 aufmerksam machen.

Text und Recherche: Dieter Rottler, André Richter, Eberhard Fischer








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